Badische Zeitung vom Samstag, 13. August 2005

Hinweise auf das 17. Jahrhundert
Jugendliche der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste säubern Grabsteine und graben im Keller des Blauen Hauses in Breisach



 

Von unserem Mitarbeiter Rainer Klotz

BREISACH. Wieder einmal geht im Blauen Haus ein arbeitsreiches Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste zu Ende. 12 Jugendliche aus Polen, Deutschland und den USA haben in tagelanger Arbeit freiwillig einen Kellerraum von aufgeschütteter Erde befreit und den darunter liegenden Pflasterboden freigelegt. Teilnehmer des Sommerlagers 2005 im Keller des Blauen Hauses

„Hier war alles voller Schutt und Dreck, wir haben sogar Fahrräder rausgeholt“, erzählt die Studentin Katharina Schmidt-Brass aus München. Die Teilnehmer des Sommerlagers haben eine ungefähr 50 Zentimeter dicke Erdschicht entfernt. Den vorderen Kellerbau, der schon vor einiger Zeit freigelegt wurde, haben die Jugendlichen zudem neu gepflastert.

Im zweiten Teil des Projekts wurden auf dem jüdischen Friedhof im elsässischen Mackenheim vom Hochwasser verschüttete Grabsteine an die Oberfläche geholt und gesäubert. Die Steine sollen in weiteren Schritten fotografiert und dokumentiert werden, um ein Kataster anlegen zu können.

Die Vorsitzende des „Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach“, Christiane Walesch-Schneller, ist mehr als zufrieden mit der Arbeit der freiwilligen Helfer in den letzten vier Jahren. „Die Sommerlager haben den Grundstein für die Erforschung der Hausgeschichte gelegt“, so Walesch-Schneller. Langfristig soll aus dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus ein Dokumentations- und Begegnungszentrum werden.

Professionelle Unterstützung bekamen die Jugendlichen am Mittwoch von der Denkmalpflege. Aus Freiburg waren Gabriele Weber-Jenisch und Bertram Jenisch gekommen, um sich den Pflasterboden des Kellerraums anzuschauen. Warum die Erde einst in den Raum geschüttet wurde, konnten die beiden auf den ersten Blick auch nicht erklären. Eine Analyse von in der Erde gefundenen Scherben könnte Klarheit bringen. Zumindest ließe sich damit der Zeitraum der Aufschüttung ermitteln. Möglich wäre unter anderem, dass der Raum vor der Aufschüttung als Weinlager gedient haben könnte. „Danach könnte man die Erde aufgefüllt haben, um Feldfrüchte lagern zu können“, vermutet Bertram Jenisch.

Die ehemalige Funktion des Raumes wird wohl noch einige Zeit im Dunkeln verborgen bleiben. Einiges ist jetzt aber trotzdem schon zu erkennen, der Raum hatte eine Abflussrinne und am tiefsten Punkt eine Sammelstelle für Wasser. Auch ist ein möglicher Eingang zu sehen, der in einem nächsten Projekt freigelegt werden soll. Der Keller wurde an die Stadtmauer angesetzt, wahrscheinlich im 17. Jahrhundert, wie Jenisch vermutet.

Die 18-jährige Schülerin Asia Michalska kommt aus der Nähe von Warschau, sie hat von Freunden und im Internet von dem Sommerlager erfahren. Sie nimmt an dem Projekt teil, um mehr über jüdische Geschichte zu erfahren und bei der praktischen Arbeit mitzuhelfen. Außerdem will sie die Gelegenheit nutzen, um ihr Deutsch zu verbessern.

Sehr spannend fand die polnische Schülerin die Arbeiten auf dem Mackenheimer Friedhof. „Wir haben dort Grabsteine gefunden, die fast 300 Jahre alt waren“, erzählt Katharina Schmidt-Brass voller Stolz. Sie lobt die Unterstützung seitens der Breisacher und Mackenheimer Bevölkerung für das Projekt. „Sie haben uns sehr herzlich empfangen“, freut sich die Studentin.

Die Vogtsburgerin Denise Göpfert ist mit ihren 16 Jahren die jüngste im Bunde. Auch sie hilft begeistert mit, Spuren jüdischen Lebens in Breisach und der Umgebung zu finden. Aber nebenbei bleibt auch noch Raum für Freizeit. So besuchte die Gruppe Straßburg, Basel und Freiburg.

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