Badische Zeitung vom Dienstag, 13. Februar 2007

Worte, bewegende Fotos und ein Film
Friedel Scheer-Nahor und Ari Nahor haben die "Tänze für das Blaue Haus" in einem Buch festgehalten / Filmprojekt von Bodo Kaiser



 

Von unserer Mitarbeiterin Bianka Pscheidl

BREISACH. Manchmal gelingt es, nicht nur Träume zum Leben zu erwecken, sondern dabei auch kühnste Erwartungen zu übertreffen. Das im Sommer 2006 veranstaltete Projekt "Tänze für das Blaue Haus" ist ein gelungenes Beispiel dafür. Und wie es im Leben oft ist, entwickelte es eine mitreißende Eigendynamik, der es zu folgen galt. Daher wurden die damaligen Ereignisse nun in einem Buch und einem Film dokumentiert, die den Mitgliedern des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus jüngst im Blauen Haus vorgestellt wurden.

Die rund 120 Fotos des Breisacher Künstlers Ari Nahor "bewahren den Geist der Tanztage" , so Christiane Walesch-Schneller in ihrem Vorwort zu dem Buch "Closer than it appears — Näher als es scheint" . In dem Bildband, dessen Zweisprachigkeit ihn gleichermaßen für hiesige wie für in anderen Teilen der Welt lebende Interessierte erlebbar machen soll, werden die künstlerisch ansprechenden Fotos durch vertiefende Texte ergänzt.

Friedel Scheer-Nahor und Toby Axelrod erzählen die Geschichte des Tanzprojektes. Auch Dan Bar-On von der Ben Gurion University of the Negev in Israel äußert sich über das Projekt, in dem nach seinen Worten "Tänzer und Geschichtenerzähler versuchen, die Gespenster der Breisacher Vergangenheit loszuwerden" .

Beeindruckend ist die ebenfalls in das Buch aufgenommene Rede von Elaine Wolff, die bei der Eröffnung am 3. August 2006 für den Freundeskreis ehemaliger Breisacher Juden und ihrer Nachkommen sprach.

Diese folgen seit 1998 den Einladungen in die frühere Heimat ihrer Familien und helfen, die Geschichte ihrer Angehörigen aufzuschreiben.

Wolffs Worte, die sie nun anlässlich der Buchvorstellung äußerte, bewegen tief. Bis 1998 sei sie mit ihrer Mutter lediglich von Zeit zu Zeit nach Breisach gekommen, um dem jüdischen Friedhof einen Besuch abzustatten, und habe die Stadt danach schnell wieder verlassen. Heute kommt sie gern nach Breisach, wo sie mittlerweile Freunde gefunden hat. "Es entwickelt sich etwas" , sagt Wolff. Sie sei bereit, die deutsche Sprache zu lernen und etwas zu den Projekten des Blauen Hauses beizutragen.

"Ich habe hier selbst wieder ein Stück Heimat gefunden" , fährt sie fort und bezeichnet sich selbst als lebendige Zeugin der erfolgreichen Bemühungen des hiesigen Fördervereins.

Der Film von Bodo Kaiser verdeutlicht ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung und spiegelt die Dynamik des Projektes wider. Der Freiburger begleitete im vergangenen Sommer die einwöchige Arbeit amerikanischer Profitänzer mit Freiburger Schülern und lässt in die gefilmten Tanzszenen Interviews mit den Schülern einfließen, die diese Entwicklung belegen. Standen anfangs bei den Jugendlichen der Spaß an der Bewegung und die Aufregung über den Besuch "echter" Tänzer aus New York im Vordergrund, beschäftigten sich die jungen Nachwuchstänzer im Verlauf des Projekts immer mehr mit der ihm zu Grunde liegenden Thematik.

Sie nahmen größeren Anteil an dem Schicksal verfolgter Juden und stellten Parallelen zu auch heute noch allgegenwärtigen Ausgrenzungen und Ungerechtigkeiten her.

Das Buch "Closer than it appears — Näher als es scheint" und der Dokumentarfilm "Tanzspuren am Blauen Haus" halten nicht nur die tief greifenden Erinnerungen an das eindrucksvolle Tanzprojekt wach, sondern ermöglichen es auch, sich völlig neu mit diesem Thema zu befassen.

Das Buch ist im Fachhandel oder über den Breisacher Förderverein im Blauen Haus erhältlich, der Film kann nach seiner Premiere am 26. Februar im Kommunalen Kino Freiburg bei Bodo Kaiser erworben werden.

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