Badische Zeitung vom Montag, 12. September 2005

„Eine vorbildliche bürgerschaftliche Initiative“
„Tag des offenen Denkmals“ wurde in Breisach eröffnet / Blaues Haus erhält Förderpreis der Denkmalstiftung des Landes Baden-Württemberg



 

Von unserer Mitarbeiterin Friedel Scheer-Nahor

BREISACH. Der „Tag des offenen Denkmals 2005“, zu dem in Baden-Württemberg zahlreiche Bau- und Kulturdenkmäler zu besichtigen waren und über 600 Veranstaltungen geboten wurden, stand in diesem Jahr unter dem Thema „Krieg und Frieden“. Das war mit ein Grund, warum die Eröffnungsveranstaltung in Breisach stattfand. Verleihung des Förderpreises 2005

Denn die Vergangenheit der Stadt am strategisch wichtigen Rheinübergang ist gekennzeichnet durch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch durch die in jüngerer Zeit intensive Bemühung um Zusammenarbeit mit den französischen Nachbarn und dem Bekenntnis zu Europa, das in der Volksabstimmung von 1950 zum Ausdruck gebracht wurde. Zum ersten Mal fand die Eröffnungsveranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ in Baden-Württemberg deshalb auch grenzüberschreitend statt: Am Nachmittag wurde die Veranstaltung in Neuf-Brisach weitergeführt, wo Fachvorträge und Führungen auf dem Programm standen.

Der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Stuttgart, Dieter Planck, ging in seiner Begrüßung nach einem kurzen Abriss der Geschichte Breisachs auf die Bedeutung des „Tags des offenen Denkmals“ ein, der in diesem Jahr bereits zum 13. Mal stattfand und in den vergangenen Jahren mehr als 100000 Besucher allein in Baden-Württemberg in die geöffneten Baudenkmäler gelockt hat. Er hoffe, dass die Idee der Denkmalpflege über diese Veranstaltungen auch weiter neue Freunde gewinne, denn ohne die breite Resonanz der Bevölkerung könnten die Denkmalpfleger ihre Aufgabe nicht erfüllen, sagte Planck.

Ebenfalls aus Stuttgart angereist war Staatssekretär Rudolf Köberle, der im Innenministerium für die Denkmalpflege zuständig ist. In seiner Ansprache betonte er, dass die Erhaltung der einzigartigen Kulturdenkmallandschaft in Baden-Württemberg wichtige landespolitische Aufgabe bleibe. „Das kulturelle Erbe ist ein grundlegendes identitätsstiftendes Element für jede Gesellschaft. Es zu erhalten und zu pflegen muss gemeinsames Ziel staatlicher und bürgerschaftlicher Bemühung sein“, sagte Köberle. Er wies allerdings auch darauf hin, dass die Erfüllung dieser Aufgabe durch die überall bestehenden Einsparzwänge schwieriger werde. Dennoch würden in diesem Jahr für die Erhaltung von Bau- und Kulturdenkmälern 12 Millionen Euro und für die Bodenarchäologie 6 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Wichtig sei das Zusammenwirken vieler engagierter Partner von Kommunen, Wissenschaft, Behörden bis zu bürgerschaftlichen Initiativen. Als vorbildliche bürgerschaftliche Initiative, die hohe öffentliche Anerkennung verdiene, bezeichnete er den Breisacher „Förderverein Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus“, dessen Engagement ihn mit Freude und Hochachtung erfülle.

Bürgermeister Alfred Vonarb zeigte sich in seinem Grußwort erfreut darüber, dass Breisach und Neuf-Brisach als Veranstaltungsorte für die Eröffnung gewählt wurden. Er betonte die guten Beziehungen, die hier zu Lande unter den Kommunen beiderseits des Rheins bestehen würden und wies darauf hin, dass man sich bei vielen Anlässen träfe. Dabei würden immer wieder neue Ideen für eine bessere Zusammenarbeit entwickelt.

Weitere Grußworte wurden von Maurice Zimmerle, Bürgermeister von Neuf-Brisach und François Laquièze, Direktor der Regionalabteilung für kulturelle Angelegenheiten in Straßburg überbracht. Ein besonderer Höhepunkt war schließlich die Übergabe des diesjährigen Förderpreises der Denkmalstiftung Baden-Württemberg durch den Landtagsabgeordneten Gundolf Fleischer an die Vorsitzende des Fördervereins Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus, Christiane Walesch-Schneller. Diese Auszeichnung solle vorrangig an Projekte vergeben werden, die aus einer privaten Initiative heraus entstanden sind, sagte Fleischer und stellte gleichzeitig fest, dass diese Vorgabe kaum eine Initiative besser erfüllen würde, als der Förderverein. Er hob besonders die tatkräftige Unterstützung der Vereinsmitglieder hervor, die bei den Renovierungsarbeiten selbst mit angepackt hätten. Der Verein habe sich um die Denkmalpflege wahrlich verdient gemacht. Verbunden mit der Anerkennungsurkunde, wurde Christiane Walesch-Schneller daher ein Scheck von 2500 Euro überreicht.

Walesch-Schneller bedankte sich im Namen des Vereins und skizzierte kurz die Ziele für das Blaue Haus. Es solle ein „begehbares Geschichtsbuch“ werden, mit dem den vertriebenen jüdischen Bürgern Breisachs ein Denkmal gesetzt werden soll. Dass aus dem alten, unscheinbaren Haus heute das schön restaurierte Blaue Haus werden konnte, sei dem Zusammenwirken vieler zu verdanken, insbesondere auch der Denkmalschutzbehörden und der Stadt Breisach, sagte Walesch-Schneller. Dennoch ist bezüglich der Finanzierung noch viel zu tun. Zu diesem Zweck solle nun eine Stiftung gegründet werden, wozu das Preisgeld einen Grundstock bilden soll. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Stadtmusik Breisach. Und auch die Gastgeber, die Festspiele Breisach, trugen zur Unterhaltung bei. Rheinbegradiger Tulla und der Schauspieler Frédérick Lemaitre trafen in einer postmortalen Begegnung aufeinander, erheiternd gespielt von Frank Laurenat und Frank Ganz.

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