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BREISACH. "Aufgabe der Schule ist es, dass aus der Geschichte gelernt wird", hatte Geschichtslehrerin Dagmar Casetou eingangs der Veranstaltung gesagt. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Antje Boog, Birgit Krattenmacher und Gabi Müller-Blechschmidt leitete sie die Schüler an, die die 4 Dokumentationen zu Breisacher Juden und jüdischen Einrichtungen in der Stadt unter dem Zeichen des verbrecherischen Geschehens in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erarbeiteten.
Über 30 Schülerinnen und Schüler befassten sich wochenlang und zusätzlich zum regulären Schulunterricht mit der Recherche und Bearbeitung der Forschungsergebnisse. Unterstützt wurden sie dabei vom Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach. 36 Jugendliche und 24 Erwachsene in Breisach hatte eine Gruppe zu ihren Kenntnissen über die jüdische Geschichte von Breisach befragt. Ergebnis: Vielen Jugendlichen war gar nicht bekannt, dass es in der Münsterstadt über Jahrhunderte hinweg eine jüdische Gemeinde gab. Die meisten Erwachsenen wussten zwar von der Existenz des Blauen Hauses als Erinnerungsstätte an das Schicksal der Breisacher Juden, aber nur ganz wenige hatten diese Einrichtung bisher besucht.
Viele Familienmitglieder wurden in Konzentrationslagern ermordet Eine zweite Gruppe hatte die Schicksale der jüdischen Familien Bähr und Eisemann verfolgt, die beide über viele Generationen in Breisach beheimatet waren. Anhand von Auszügen aus Briefen und Berichten, die die Schüler vorlasen, wurde das Leid deutlich, das über die Angehörigen dieser beiden Familien durch das Pogrom vor 70 Jahren und den späteren Holocaust hereinbrach. Die meisten Familienmitglieder wurden in Konzentrationslagern ermordet. Mit einer eindrucksvollen Audio-Collage endete die Dokumentation über das Schicksal von Berthold Levy. Als 72-Jähriger war der jüdische Bäcker aus Breisach im Herbst 1940 von den Nazis ins Konzentrationslager deportiert worden. Er überlebte den Holocaust und musste Anfang der 50er Jahre einen unwürdigen und letztlich vergeblichen Kampf mit der deutschen Wiedergutmachungsbürokratie ausfechten. Mit zynisch anmutenden Argumenten hatte die Behörde Levy eine Unterstützung versagt, die über das karge Minimum einer Einmalzahlung für erlittenes Unrecht und jahrelange Haft hinausging. Fakten und Auszüge aus Briefen, die Auskunft über den Tod des 19-jährigen Breisacher Juden Alfred Weil gaben, der im Konzentrationslager umkam, wurden im Rahmen eines szenischen Schattenspiels verlesen. Schließlich präsentierte eine Gruppe von Schülern eine Dokumentation über Schändungen, die in den vergangenen Jahrzehnten auf den beiden jüdischen Begräbnisplätzen in Breisach und dem jüdischen Friedhof von Ihringen verübt wurden. Als Fazit forderten die Schüler die Stadtverwaltung auf, dafür zu sorgen, dass im Straßenbild deutlichere Hinweisschilder zu den jüdischen Friedhöfen aufgestellt und wie in vielen anderen Städten "Stolpersteine" überall dort ins Straßenpflaster eingelassen werden, wo jüdische Mitbürger bis zu ihrer Verfolgung durch die Nationalsozialisten gelebt hatten. Zu Beginn der Veranstaltung im Gymnasium hatte Breisachs Bürgermeister Oliver Rein sich bei den Schülern und Lehrern bedankt, die an der Erstellung der Dokumentation beteiligt waren. Kurze Dankesworte sprach auch der aus den USA angereiste Gerald Schwab. Der gebürtige Breisacher war als Jugendlicher mit seinen Eltern vor dem Naziterror nach Amerika geflohen. Auch Nachkommen von Breisacher Juden, Robert Geismar aus Großbritannien, Leopold und Rita Marx aus der Schweiz sowie Alice Kromer aus Breisach, wohnten den Gedenkfeiern bei. Sie waren bereits vormittags von Bürgermeister Oliver Rein empfangen worden und hatten sich in das goldene Buch der Stadt eingetragen. Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz Vor der Veranstaltung im Gymnasium fand auf dem Breisacher Synagogenplatz eine Feier zum Gedenken an die 70.Wiederkehr der Pogromnacht vom 9. November 1938 statt. "Sie war das Fanal zur physischen Vernichtung der jüdischen Mitbürger", sagte Bürgermeister Rein. Das Geschehen von damals beschäme die nachfolgenden Generationen. Daraus müsse die Lehre gezogen werden, dass Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten niemals widerstandslos hingenommen werden dürften. Christiane Walesch-Schneller vom Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus erinnerte daran, dass genau vor 10 Jahren der Gedenkstein auf dem Breisacher Synagogenplatz eingeweiht wurde, der auf die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses und die Vertreibung und Ermordung der Breisacher Juden aufmerksam macht. Der Vorsitzende der seit 1809 bestehenden Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden, Wolfgang Fuhl aus Lörrach, hob die Wichtigkeit der Dokumentierung des Geschehens von vor 70 Jahren hervor. Pfarrer Peter Hanselmann von der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde und Pfarrer Peter Klug von der katholischen Münsterpfarrei beschlossen die Gedenkfeier mit der Lesung der Bibel psalmen 142 und 143. Eingeleitet hatte sie der Chor vom Münster St. Stephan mit dem Lied "Der Herr ist mein Hirte". |
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