Badische Zeitung vom Samstag, 11. Juli 2015

Geschichten einer jüdischen Familie
Daniel Hoffmann erzählte Schülern von seinen Vorfahren.

Im Rahmen der Woche der Begegnung in Breisach fand auch eine Veranstaltung im Martin-Schongauer-Gymnasium (MSG) statt. Daniel Hoffmann berichtete Schülern der 9. Klassen von seinen jüdischen Vorfahren, die unter anderem in Breisach gelebt hatten. Der Vortrag wurde in Kooperation mit dem Blauen Haus in Breisach organisiert.

Hoffmanns Urgroßeltern zogen im Jahr 1889 von Danzig nach Breisach. Sein Urgroßvater Paul Weinberg, Kantor und Religionslehrer, lebte mit seiner Frau und insgesamt 5 Kindern in der Münsterstadt. Ihre Kinder und deren Nachkommen zogen später in verschiedene andere Städte. Daniel Hoffmann war zum ersten Mal 2007 nach Breisach gekommen. Das sei einbesonderes Erlebnis gewesen. "Für mich wurde diese Stadt erst dort zur Realität, zuvor hatte ich überhaupt kein Gefühl für die Stadt meiner Vorfahren", erzählte er.

In seinem Vortrag beleuchtete Hoffmann einige Lebensgeschichten aus seiner Familie. So berichtete er von seiner Großmutter Selma Hoffmann, die in Breisach geboren wurde. Auf ihrer Geburtsurkunde steht ein Vermerk aus dem Jahr 1938. Er erklärt, dass Selma Hofmann fortan "Sara" heißt. Die Nationalsozialisten kennzeichneten mit diesem Vornamen alle Frauen jüdischer Herkunft. Interessant sei aber auch, dass 1946 derselbe Standesbeamte, der den Namen Sara in die Urkunde eingetragen hatte, diesen wieder aus dem Dokument entfernte. Dass Beamte aus der Zeit des Nationalsozialismus auch danach ihrem Beruf nachgehen durften, sei kein Einzelfall gewesen, erklärte Hoffmann den Schülern.

Besonders ausführlich berichtete er über seinen Vater Paul, der das Konzentrationslager in Auschwitz überlebte. Er wurde 1921 in Iserlohn geboren. Schon früh wurde er in ein Arbeitslager in Bielefeld gebracht. Von dort aus wurde Paul Hoffmann 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch die Großmutter sei in diesem Zug nach Auschwitz gebracht worden, erzählte Daniel Hoffmann. Mutter und Sohn hätten aber keine Chance mehr gehabt, sich zu sehen.

Im Konzentrationslager musste Paul Hoffmann in der Schreibstube arbeiten. Deren Leiter war zwar erklärtes Mitglied der NSDAP, dennoch schützte er Paul Hoffmann immer wieder. Der Häftling konnte mit Briefen den Kontakt zur Familie halten, die ihm Päckchen ins KZ schickte. So konnte Paul Hoffmann überleben.

Als die Situation für die Nazis immer gefährlicher wurde, brachten sie Paul Hoffmann zusammen mit anderen Häftlingen in das Lager nach Buchenwald. Dort wurde "das Elend nur noch verwaltet", ein wirkliches Arbeitslager sei dies nicht mehr gewesen, berichtete Daniel Hoffmann. Doch die schreckliche Reise ging weiter, auf dem Weg in das Konzentrationslager Flossenbürg wurde Paul Hoffmann schließlich von den Alliierten befreit.

Später erzählte er seinem Sohn viel über diese Zeit, was dieser zum Anlass nahm, ein Buch über die Erlebnisse des Vaters zu schreiben. Das Buch "Lebensspuren meines Vaters" erschien im Jahr 2007, nur ein Jahr später starb Paul Hoffmann in einem jüdischen Altenheim in Düsseldorf, das er selbst Ende der 1960er Jahre mit aufgebaut hatte.

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