Badische Zeitung vom Montag, 11. Juli 2011

Gemeinsames Projekt von Kirche, Realschule und Blauem Haus

Kinder-Oper Brundibár verzaubert das Publikum
Begeistert hat ein zahlreich erschienenes Publikum die beiden Aufführungen der Kinder-Oper Brundibár in der Breisacher Stadthalle aufgenommen.



BREISACH. Es feierte das aus 35 Chor-Kindern der Münsterpfarrei und der Hugo-Höfler-Realschule bestehende Ensemble unter der Leitung von Nicola Heckner teilweise mit stehenden Ovationen.

Damit hat ein vor gut einem Dreivierteljahr begonnenes gemeinsames Projekt von Schule, Kirchengemeinde St. Stephan und dem Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus (Blaues Haus) seinen Abschluss, vielleicht aber auch erst seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden.

Damals fand die Gruppe zusammen, um das selten aufgeführte Kinder-Opern-Projekt anzugehen. Die Mitwirkenden spielten und sangen auf der Bühne der Stadthalle in einer Kulisse, in deren Mittelpunkt das Blaue Haus stand, womit das Stück einen optischen Bezug zu Breisach bekam. Brundibár, ein bösartiger Leierkastenmann, versucht zu verhindern, dass ein Geschwisterpaar mit Singen auf dem Marktplatz Geld sammelt, das es braucht, um für seine kranke Mutter Milch kaufen zu können. Doch eine ganze Gruppe von Kindern steht zusammen und – wie im Märchen – wendet sich schließlich alles zum Guten. Innerhalb der monatelangen Probenzeit besuchten die mitwirkenden Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren das Blaue Haus und erfuhren dort Näheres über die Geschichte der Juden in Breisach.

Auf der künstlerischen Seite hatten Nicola Heckner als musikalische Leiterin und Steffi Bürger als Regisseurin die Fäden in der Hand. Barbara Röllgen übernahm die Verantwortung für Organisation und Finanzierung des Projekts, für dessen Realisierung sich weitere Lehrer, Eltern von Schülern und andere Personen auf vielfältige Weise ehrenamtlich engagierten. Breisachs Bürgermeister Oliver Rein war Schirmherr des Opern-Projektes.

Komponist des Zweiakters ist Hans Krása, ein Prager Jude, der 1941 von den Nazis ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Dort wurde seine Oper von inhaftierten Kindern insgesamt 55-mal gespielt. Krasá fand in den Gaskammern von Auschwitz den Tod. Inge Auerbacher, Augenzeugin einer der Vorstellungen von Brundibár im Lager Theresienstadt, war jetzt auch bei beiden Aufführungen in der Münsterstadt anwesend. Die aus dem badischen Kippenheim stammende Holocaust-Überlebende wohnt seit über 60 Jahren in New York und berichtet bis heute in Vorträgen über ihre Erlebnisse als KZ-Häftling im Kindesalter, die sie auch in ihrem Buch "Der gelbe Stern" festgehalten hat.

Mit lebendiger, spielerischer Darstellung gelang den mitwirkenden Kindern die eigenwilligen, aber interessant komponierten Gesangspartien von Hans Krása auf die Bühne zu bringen. Stilistisch erinnert seine Musik an Bertolt Brechts "Dreigroschenoper", für die Kurt Weil vor 85 Jahren die Musik geschrieben hat. Zuverlässig musikalisch unterstützt wurden die Kinder von 12 Musikerinnen und Musikern der Camerata Academica Freiburg.

Zur Premiere war Landrätin Dorothea Störr-Ritter nach Breisach gekommen. In ihrem Grußwort hob sie die generationsübergreifende Bedeutung des gleichermaßen anspruchsvollen wie ehrgeizigen Opern-Projekts hervor. "Der Landkreis ist stolz auf die Stadt Breisach, die ein derartiges Vorhaben verwirklicht", sagte die Politikerin. Aus New York und London zur Brundibár-Premiere nach Breisach gereist waren Angehörige der jüdischen Familien Wurmser und Geismar.

Deren Vorfahren hatten über Generationen hinweg bis vor 70 Jahren in der Münsterstadt gelebt. Sie mussten vor den Nazis fliehen oder wurden von ihnen in Konzentrationslagern inhaftiert und Opfer des Holocausts. Ob das Projekt fortgesetzt wird und weitere Aufführungen der Kinderoper stattfinden können, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Zur vorhergehenden Seite Zum Beginn der Seite