BREISACH. "Im Grunde lebt man aus Dankbarkeit" heißt das Leitmotiv
einer Ausstellung im "Blauen Haus" in der Rheintorstraße, mit der der
Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus gemeinsam mit der
katholischen Akademie in Freiburg dem im April verstorbenen
Kibbuz-Künstler Jochanan Ben-Jaacov gedenkt. Eröffnet wurde die
Ausstellung im Rahmen des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur. Dabei zeigt die Ausstellung im Obergeschoss des ehemaligen jüdischen
Gemeindehauses nur einen winzigen Ausschnitt aus dem reichen Werk des
renommierten Künstlers. Dennoch bietet gerade diese Reduziertheit die
Möglichkeit, Exemplarisches über das Schaffen Ben-Jaacovs aufzuzeigen, wie
der Breisacher Bildhauer und Maler Helmut Lutz bei der
Ausstellungseröffnung erklärte. Jochanan Ben-Jaacov, so Lutz weiter, vertraute dem Spiel mit der Form
mehr als der auf Wahrheitssuche angelegten kompositorischen Strenge. Vor
allem dieses spielerische Element sei charakteristisch für die Arbeiten
des 1913 in Berlin geborenen Kibbuz-Künstlers. Bei den in Breisach
gezeigten Werken handelt es sich um Skulpturen und Reliefs, die vorwiegend
aus Holz gearbeitet sind. "Ich liebe Holz", sagte Ben-Jaacov einmal. "Ich
bin ein erdverbundener Mensch, der die Erde und Pflanzen liebt, und das
Holz wächst aus der Erde heraus, ich kann es mit meinen Fingern spüren,
fühle wie es atmet; es leitet mich, und ich ringe mit ihm." Dabei lassen sich die Exponate deutlich zwei unterschiedlichen
Schaffensperioden zuordnen. Während die früheren Werke, in denen dunkles
Holz dominiert, bisweilen fast düster wirken, erscheinen die im Anschluss
an einen längeren Aufenthalt des Künstlers im Kaiserstuhl geschaffenen
späteren Skulpturen in ihrer bunten Verspieltheit und leichten Transparenz
ausgesprochen fröhlich. Rita Binder, eine langjährige Weggefährtin
Ben-Jaacovs, skizzierte in ihrer Eröffnungsansprache den Lebensweg des
vielseitigen und ausgesprochen produktiven Malers und Bildhauers, der
bereits 1933 nach der Machtübernahme durch die Nazis aus dem einst
geliebten Deutschland nach Palästina floh und dort den Kibbuz Hazorea
mitbegründete, wo er bis zu seinem Tod im vergangenen April lebte. Nicht zuletzt Binder, die als Künstlerin und Kulturagentin in
Bischoffingen lebt, ist es zu verdanken, dass Ben-Jaacov in der
Vergangenheit bereits mehrmals sein künstlerisches Werk auch in
Deutschland präsentierte, zuletzt 1998 in Berlin. In ihren
Begrüßungsworten dankte die Vorsitzende des Fördervereins, Christiane
Walesch-Schneller, allen, die zum Zustandekommen der Ausstellung
beigetragen haben. Besonders erfreut zeigte sie sich darüber, dass die
Söhne des Künstlers, Siv Ben und Noam Ben-Jacoov aus Tel Aviv und
Amsterdam, zu der Eröffnung gekommen waren. Noch bis zum 5. November kann die sehenswerte Ausstellung jeweils
sonntags von 14 bis 17 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie nach
Vereinbarung besucht werden. Parallel zu der Breisacher Ausstellung zeigt
auch die katholische Akademie in Freiburg in der Wintererstraße Werke von
Jochanan Ben-Jaacov. Thomas Rhenisch
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