Badische Zeitung vom Mittwoch, 10. September 2003

Das besondere Spiel mit der Form
Im "Blauen Haus" sind Werke des renommierten Kibbuz-Künstlers Jochanan Ben-Jaacov zu sehen

BREISACH. "Im Grunde lebt man aus Dankbarkeit" heißt das Leitmotiv einer Ausstellung im "Blauen Haus" in der Rheintorstraße, mit der der Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus gemeinsam mit der katholischen Akademie in Freiburg dem im April verstorbenen Kibbuz-Künstler Jochanan Ben-Jaacov gedenkt. Eröffnet wurde die Ausstellung im Rahmen des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur.

Dabei zeigt die Ausstellung im Obergeschoss des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses nur einen winzigen Ausschnitt aus dem reichen Werk des renommierten Künstlers. Dennoch bietet gerade diese Reduziertheit die Möglichkeit, Exemplarisches über das Schaffen Ben-Jaacovs aufzuzeigen, wie der Breisacher Bildhauer und Maler Helmut Lutz bei der Ausstellungseröffnung erklärte.

Jochanan Ben-Jaacov, so Lutz weiter, vertraute dem Spiel mit der Form mehr als der auf Wahrheitssuche angelegten kompositorischen Strenge. Vor allem dieses spielerische Element sei charakteristisch für die Arbeiten des 1913 in Berlin geborenen Kibbuz-Künstlers. Bei den in Breisach gezeigten Werken handelt es sich um Skulpturen und Reliefs, die vorwiegend aus Holz gearbeitet sind. "Ich liebe Holz", sagte Ben-Jaacov einmal. "Ich bin ein erdverbundener Mensch, der die Erde und Pflanzen liebt, und das Holz wächst aus der Erde heraus, ich kann es mit meinen Fingern spüren, fühle wie es atmet; es leitet mich, und ich ringe mit ihm."

Dabei lassen sich die Exponate deutlich zwei unterschiedlichen Schaffensperioden zuordnen. Während die früheren Werke, in denen dunkles Holz dominiert, bisweilen fast düster wirken, erscheinen die im Anschluss an einen längeren Aufenthalt des Künstlers im Kaiserstuhl geschaffenen späteren Skulpturen in ihrer bunten Verspieltheit und leichten Transparenz ausgesprochen fröhlich. Rita Binder, eine langjährige Weggefährtin Ben-Jaacovs, skizzierte in ihrer Eröffnungsansprache den Lebensweg des vielseitigen und ausgesprochen produktiven Malers und Bildhauers, der bereits 1933 nach der Machtübernahme durch die Nazis aus dem einst geliebten Deutschland nach Palästina floh und dort den Kibbuz Hazorea mitbegründete, wo er bis zu seinem Tod im vergangenen April lebte.

Nicht zuletzt Binder, die als Künstlerin und Kulturagentin in Bischoffingen lebt, ist es zu verdanken, dass Ben-Jaacov in der Vergangenheit bereits mehrmals sein künstlerisches Werk auch in Deutschland präsentierte, zuletzt 1998 in Berlin. In ihren Begrüßungsworten dankte die Vorsitzende des Fördervereins, Christiane Walesch-Schneller, allen, die zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen haben. Besonders erfreut zeigte sie sich darüber, dass die Söhne des Künstlers, Siv Ben und Noam Ben-Jacoov aus Tel Aviv und Amsterdam, zu der Eröffnung gekommen waren.

Noch bis zum 5. November kann die sehenswerte Ausstellung jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden. Parallel zu der Breisacher Ausstellung zeigt auch die katholische Akademie in Freiburg in der Wintererstraße Werke von Jochanan Ben-Jaacov.

Thomas Rhenisch

 

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