![]() (Foto: Frank Kreutner) |
BREISACH (fke). Die Tagebücher des Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Victor Klemperer standen im Mittelpunkt eines Vortrags, den der in Colmar lebende Germanist Dr. Bernard Reuter anlässlich des "Europäischen Tages der Jüdischen Kultur" im Blauen Haus in Breisach hielt. Der "Europäische Tag der Jüdischen Kultur" findet seit 10 Jahren in 30 Ländern statt und soll einem breiten Publikum die Beiträge des Judentums zur Kultur unseres Kontinents in Vergangenheit und Gegenwart vor Augen führen. Reuter machte deutlich, dass es nur wenige Dokumente gebe, die wie Klemperers Tagebücher einen so kontinuierlichen Bogen über die deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts ziehen. Der 1881 geborene Klemperer begann im Jahre 1900 mit seinen Aufzeichnungen und führte diese bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1960 weiter und ermöglichte damit Einblicke in die Zeit des Kaiserreichs, des Ersten Weltkrieges, der Weimarer Republik, des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit in der DDR – und das alles aus der Sicht eines jüdischen Deutschen, dessen Lebensweg auch immer wieder durch seine Assimilationsbemühungen gekennzeichnet war. Besonders bekannt wurde der Teil seiner Tagebücher, der sich mit der Zeit des III. Reiches beschäftigt, wo er seine Ausgrenzung als jüdischer Intellektueller aus der deutschen Gesellschaft im Alltag der Zeit des Nationalsozialismus dokumentierte. Dieser Teil seines Werkes diente auch als Grundlage für eine 12-teilige Fernsehserie aus dem Jahre 1999. Reuter machte aber deutlich, dass gerade auch die weniger populären Aufzeichnungen zu Klemperers Zeit als Professor in der DDR eine Fülle von detaillierten Einblicken in die Welt der DDR in der Nachkriegszeit ermöglichen. Dabei werde deutlich, dass Klemperers anfängliche Begeisterung für die Entwicklung im Osten sehr schnell auch von kritischen Erkenntnissen begleitet wurde. Insgesamt erläuterte Reuter eindrucksvoll, dass Klemperer mit seinem Leben im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte geschrieben hat und so mancher der zahlreichen Zuhörer des Vortrags wurde sicherlich dazu angeregt, sich in den kommenden Wochen intensiver mit dem Werk des Schriftstellers zu beschäftigen. |
![]() |
![]() |