Badische Zeitung vom Montag, 9. Mai 2005

Erinnerung und Verantwortung
Gottesdienst und Stadtrundgang durch Breisach zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren



Von unserer Mitarbeiterin Christine Aniol

BREISACH. Im Zeichen der Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren stand auch in Breisach das vergangene Wochenende. Gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde St. Stephan sowie der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde gedachte die Stadt Breisach am Samstag dem Jahrestag des Kriegsendes. Am Sonntagnachmittag führte Stadtarchivar Uwe Fahrer Interessierte „auf den Spuren der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte“ durch die Münsterstadt.

Am Samstagabend fand im St. Stephansmünster ein ökumenischer Gottesdienst statt, außerdem wurde am Kriegerdenkmal in der Münsterbergstraße ein Kranz niedergelegt. Auf Grund des schlechten Wetters fand auch die Ansprache zur Kranzniederlegung in der Kirche statt. „Das Münster hat wieder einmal Schutz geboten“, so Pfarrer Peter Klug.

Bürgermeister Alfred Vonarb schilderte die Geschehnisse in Breisach vor rund 60 Jahren. Er erinnerte nicht nur an die Kriegsjahre von 1939 bis 1945. „Auch die Zeit davor, von 33 bis 39, muss mit bedacht werden. Vor allem die Flucht unserer jüdischen Mitbürger“, sagte Vonarb.

Nach den Schilderungen von der Zerstörung Breisachs durch zahlreiche Fliegerangriffe im Februar 1945 stellte der Bürgermeister die „Aufgabe der Aufarbeitung“ in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Es sei wichtig, aus den Erfahrungen der Naziherrschaft „die richtigen Schlüsse zu ziehen“ und „nicht nur zu gedenken“, betonte er. Es liege in der Verantwortung eines jeden Menschen , dass „so etwas nie mehr geschieht“.

Vonarb hob hervor, dass die Freundschaft mit Frankreich, gerade auch vor dem Hintergrund der Versöhnung, für Breisach „lebenswichtig“ sei. Der Bürgermeister wünschte jedem „solche Nachbarn, die es gut mit einem meinen und denen gegenüber man sich auch nett und friedlich verhält.“

Pfarrer Klug bestätigte, dass sich in dem Wandel der Beziehung zwischen Frankreich und der Stadt am Rhein „von Feinden zu Freunden“ die Hoffnung und das Motiv der Versöhnung zeige. Er zitierte Johannes Paul II., der den Krieg als die „Kapitulation der Menschlichkeit“ bezeichnet hatte.

Auch Gerhard Dümchen forderte in Vertretung für Pfarrer Peter Hanselmannzur Versöhnung auf. Eine gute Nachbarschaft komme nur zu Stande, wenn „leibhaftig an der Versöhnung gearbeitet wird“.

Am Sonntagnachmittag erzählte Stadtarchivar Uwe Fahrer, wie es in Breisach in der Kriegs-und Nachkriegszeit aussah. Der geschichtliche Rundgang durch die Münsterstadt führte an wichtigen Gebäuden und Plätzen vorbei, die „mit dem Krieg zu tun“ gehabt haben, so Fahrer. Beginn der Tour war auf dem Münsterplatz, der eine freie Sicht auf die Unterstadt Breisachs ermöglicht. „Dort auf dem Marktplatz mussten sich im Oktober 1940 die letzten jüdischen Mitbürger sammeln, die dann deportiert wurden“, erklärte der Stadtarchivar und deutet auf das Gelände unterhalb des Münsters. Auch die Spitalkirche ein Stück weiter hinten sei von „großer Bedeutung“ gewesen, da hier ab September 1944 Gottesdienste gefeiert wurden. „Breisach befand sich im Krieg, da war das St. Stephansmünster ein zu gefährlicher Ort, hier oben auf dem Berg“, berichtet Fahrer. Er erzählte auch von der Bildung des Volkssturms, die auf dem Neutorplatz stattfand. Durch zahlreiche Zitate aus dem Tagebuch des Stadtpfarrers Hugo Höfler gelang es Fahrer, einen lebendigen Einblick in die Geschichte zu geben. Eine weitere Station war vor dem Pfarrhaus, in dem Hugo Höfler gewohnt hatte. Durch die Kapuzinergasse gelangte die Gruppe dann zur Sektkellerei Geldermann. „Die Keller hier haben auch der Stadtverwaltung Schutz geboten“, erzählte Fahrer.

Der Rundgang auf den „Spuren der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte“ endete schließlich vor dem Kupfertor durch das 1945 die französischen Panzer in die Stadt rollten.

Im Anschluss lud Fahrer noch zu einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung „Breisach 1945/1946“ im Blauen Haus an der Rheintorstraße ein. Sie zeigt die Fotografien Gerald Schwabs von der zerstörten Münsterstadt (wir werden noch berichten).

 

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