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BREISACH (kff). Mit der amerikanischen Gerontologin und Sozialpädagogin Naomi Feil hatte der Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus, "Blaues Haus" in Breisach eine Referentin mit internationalem Renommee zu Gast. Die vor 75 Jahren in München geborene Frau hat vor über vier Jahrzehnten in den USA die längst weltweit anerkannte Methode der Validation für den Umgang mit desorientierten alten Menschen entwickelt, die an Demenz leiden.
In zahlreichen, in alle Weltsprachen veröffentlichten Büchern, hat Naomi Feil die Anwendung dieser Methode und die daraus gewonnenen Erkenntnisse im Umgang mit alten, dementen Menschen beschrieben. Ein Grund dafür, dass die Gerontologin Breisach als Ort für eine ihrer Vortragsveranstaltungen gewählt hatte, ist familiärer Natur. Ihr Kontakt zum Blauen Haus rührt aus dem Jahr 2005. Damals war Naomi Feil in der Münsterstadt auf den Spuren ihrer Vorfahren. Ihre Mutter Helene Kahn war nämlich eine gebürtige Breisacherin. Sie und ihr Mann, der Psychologe Julius Weil, emigrierten in den 30er Jahren mit ihrer Tochter in die USA. So konnte sich die Familie dem wachsenden Terror der Nazis gegenüber jüdischen Mitbürgern entziehen und entkam dem späteren Holocaust. In Cleveland, im Bundesstaat Ohio, wuchs Naomi in dem Altersheim auf, das ihre Eltern dort leiteten. Nach ihrem Studium und einer Tätigkeit als Schauspielerin in New York übernahm sie selbst die Leitung des Altenheims. Im Umgang mit den betagten Bewohnern kam sie näher mit den Erscheinungen der Demenz in Berührung und nach einiger Zeit zu der Schlussfolgerung, dass "wertschätzende" Bestätigung (englisch: Validation) die Zugangsart ist, die Menschen mit Demenz ein Stück von der Orientierung zurückzugeben vermag, die sie im Laufe ihres Leidens verloren haben. "Es geht nicht darum zu pflegende, demente Menschen ruhig zu stellen, sondern sie durch Kommunikation von außen zu stimulieren", erläuterte Naomi Feil. Ihre Methode umfasst 15 verschiedene Validations-Techniken, mit denen über sprachliche oder nonverbale Kontakte, durch Musik und Bewegung, aber auch über Berührungen mit den Erkrankten, auf einem für sie verständlichen, angenehmen und von ihnen akzeptierten Niveau kommuniziert wird. Mit lebhaftem Erzählstil und gestenreicher szenischer Darstellung demenztypischer Verhaltensweisen, veranschaulichte die Referentin, dass Menschen mit Demenz sich durch Erinnerungsimpluse an eigene Kindheitserlebnisse und das Zeigen zuneigender Wertschätzung öffnen und ihre krankheitsbedingte Verschlossenheit und Isolation so teilweise aufgehoben werden kann. "Diese Menschen haben kein Zeitgefühl, kein Ich-Gefühl", erklärte Naomi Feil, "aber ihr emotionales Empfinden, das bei fortschreitender Demenz nicht mehr offen zutage tritt, ist noch vorhanden und muss angeregt werden". In drei anschaulichen Filmsequenzen, verdeutlichte Naomi Feil, die ihren Vortrag in deutscher Sprache hielt, wie mit der Methode der Validation ein emotionaler Zugang zu den dementen Menschen erreicht wird. Mehr als 70, überwiegend weibliche Zuhörerinnen, waren zu dem Referat der amerikanischen Gerontologin ins Blaue Haus gekommen. |
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