Badische Zeitung vom Samstag, 8. Januar 2005

Annäherung an die jüdische Geschichte
SWR bereitet für die Fernsehreihe "Fahr mal hin" einen Beitrag über Initiativen in Südbaden vor



SWR im Blauen Haus BREISACH (apt).Vor fünf Jahren hatte Regisseur Winfried Lachauer mit dem Fernsehbeitrag "Die Straße der Synagogen im Elsass" in der SWR-Reihe "Fahr mal hin" auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt bereitet Lachauer ebenfalls in dieser Reihe einen neuen Beitrag über Orte und Stationen, wo man sich der jüdischen Geschichte nähern kann, vor - diesmal jedoch in Südbaden: in Breisach, Sulzburg, Emmendingen und Kippenheim.

Der Auftakt der Dreharbeiten war in Breisach. Aufgenommen wurden Projektionen von Josef Kornweitz von Fotografien jüdischer Familien auf den Hausfassaden der ehemalige Judengasse und Christiane Walesch-Schneller, die Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus, bei ihrer Arbeit im Blauen Haus. Von Breisach machte das Filmteam mit Günter Boll, einem Experten für jüdische Geschichte in der Region, auch einen Abstecher zum jüdischen Friedhof in Mackenheim, wo Josef Günzburger, der im 17. Jahrhundert sechs jüdische Gemeinden in Oberbaden gründete, begraben ist. Regisseur Lachauer will das zeigen, was nach dem Holocaust so schwer vorstellbar ist: dass die verschiedenen Glaubensgemeinschaften durchaus nebeneinander existieren konnten.

Thema stößt bei Zuschauern auf großes Interesse

"Bei meinen Filmarbeiten im Elsass konnte man etwas sehen vom Zustand vor dem Holocaust", sagt er. Das faszinierte auch viele Fernsehzuschauer. "Die Leute sind die ,Straße der Synagogen' nachgefahren, sogar busweise, und haben sich bei mir auf vielen Postkarten bedankt", erzählt Lachauer. Bei den Dreharbeiten im Elsass ergab sich auch der erste Anknüpfungspunkt zu Breisach, in der Person von Günter Boll, der bei der Einweihung der Pfaffenhofener Synagoge dabei war. In vergangenen Jahr kam Lachauer gleich zweimal ins Blaue Haus: als die Bibliothek eingeweiht wurde und als Ralph Eisemann, Sohn des letzten Kantors von Breisach, Schüler durch sein ehemaliges Elternhaus führte. Lachauer war beeindruckt: "Das Blaue Haus bedeutet einerseits ein Heimholen der vertriebenen und ermordeten Juden, andererseits bietet es den Bürgern die Möglichkeit, sich ihrer Geschichte zu vergewissern." "Wir wollen die Geschichte der Breisacher Juden nach Hause bringen", ergänzt Christiane Walesch-Schneller, die sich "glücklich schätzt, dass Lachauer auch in Breisach dreht". So werde auch die Arbeit des Fördervereins bekannter gemacht.

Initiativen, die die jüdische Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen, gibt es auch an einigen anderen Orten in Südbaden. Sie sind ein verbindendes Element der Stationen des Filmbeitrags. In Sulzburg, Emmendingen und Kippenheim kümmern sich Menschen um das deutsch-jüdische Erbe. Kippenheim und Sulzburg sind die einzigen Orte in Südbaden, wo noch die Gebäude der früheren Synagogen erhalten sind. Auch Emmendingen kommt eine besondere Rolle zu: "Mit der alten und neuen jüdischen Gemeinde lässt sich zeigen, dass die deutsch-jüdische Geschichte nicht abgestorben ist", sagt Lachauer. Der Filmbeitrag soll voraussichtlich am 1. März im dritten Fernsehprogramm des SWR ausgestrahlt werden.

 

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