Badische Zeitung vom Samstag, 7. August 2004

"Verantwortung für die Zukunft"
Die 16 Teilnehmer des dritten Sommerlagers der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste ziehen positive Bilanz



Von unserer Redakteurin Agnes Pohrt

Sommerlager 2004
Foto: Agnes Pohrt
BREISACH/MACKENHEIM. Seit fast zwei Wochen findet in Breisach zum dritten Mal ein Sommerlager der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF) statt. Am Montag werden die jungen Gäste nach Hause zurückkehren. Die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus fünf Nationen ziehen allesamt ein positives Resümee über ihre Arbeit, die sowohl in Breisach wie auch im elsässischen Mackenheim stattfand.

In den ersten drei Tagen wurde vor allem im Blauen Haus gearbeitet. Dort legten die die 17- bis 25-Jährigen im Keller das Pflaster einer mittelalterlichen Straße frei und brachten eine Überdachung über dem Kellereingang an. "Einen ganzen Container volle Erde haben wir aus dem Keller herausgeschafft", erzählt Anna Kulczycka aus Polen, die mit Sandra Greuel (Jena) und Samuel Harding (England) das Programm des Sommerlagers mitorganisiert hat. Bereits beim ASF-Sommerlager vor einem Jahr war in dem Keller gearbeitet worden. Die körperliche Arbeit, aber auch die Möglichkeit, etwas über die jüdische Geschichte von Breisach zu erfahren, habe sie fasziniert, sagt Anna.

Insgesamt fünf Jugendliche aus Polen nahmen an dem Sommerlager teil, die übrigen Helfer stammen aus England, Frankreich den USA und aus Deutschland. Piotr Barabosz (19) hat vor allem die Arbeit auf dem jüdischen Friedhof in Mackenheim beeindruckt. Dort richteten die Jugendlichen umgestürzte Grabsteine wieder auf, legten Inschriften frei und dokumentierten sie. Unterstützt wurden sie von dem Verein "Les Amis du Judengarten", der mit dem Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Projektpartner des Sommerlagers ist.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Arbeit im Breisacher Stadtarchiv, wo unter Anleitung von Stadtarchivar Uwe Fahrer die jüdische Geschichte der Stadt erforscht wurde. Die Jugendlichen versuchten anhand der Sterberegister, 70 Grabsteinen des neuen jüdischen Friedhofs von Breisach, deren Inschriften unlesbar sind, die Namen der Verstorbenen zuzuordnen - ein aufwändiges Unterfangen. "Zwei Namen konnten wir sicher zuordnen", erzählt die 23-jährige Claudia Raack aus Berlin. Aber die Arbeit sei sehr wichtig und auch spannend.

Einen ganz persönlichen Aspekt hatte die Arbeit im Stadtarchiv für die 18-jährige Jüdin Rona Kremer aus Los Angeles, deren Ururgroßvater einst in Breisach gelebt hatte. "Ich habe viel über die jüdische Gemeinde Breisachs vor 100 Jahren erfahren", erzählt sie. Dabei habe ihr auch der Historiker Günther Boll sehr geholfen. Sie sei froh, dass sie durch das Sommerlager die Möglichkeit bekommen habe, einem Teil ihrer Familiengeschichte näher zu kommen.

Das Interesse an jüdischer Geschichte ist nur ein Grund, weshalb sich die 16 Jugendlichen für dieses grenzüberschreitende Sommerlager der ASF entschieden haben. Wichtig war auch für alle die Möglichkeit, mit Menschen anderer Nationen Kontakt zu bekommen. "Ich habe mich für das Sommerlager angemeldet, weil ich nach Deutschland gehen wollte, um etwas über Menschen, Kultur und Geschichte zu erfahren", sagt die Französin Pauline Toyer (17). "Wir haben aber nicht nur gearbeitet", betont Samuel Harding. Zum Programm des Sommerlagers gehörten beispielsweise eine Besichtigung der Synagoge in Freiburg, ein Besuch im Breisacher Rathaus, wo die jungen Gäste vom Beigeordneten der Stadt, Oliver Rein, willkommen geheißen wurden, Ausflüge und eine Kanufahrt auf dem Altrhein.

"Unsere Arbeit hat nichts mit Schuld zu tun, Ziel ist es, gemeinsam für die Zukunft zu arbeiten und hierfür Verantwortung zu übernehmen", sagt Steffi Hepp, die in Freiburg Religionspädagogik studiert. Sie würde gerne weiter im Blauen Haus mitarbeiten und die Entwicklung dieses Projektes miterleben.

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