Zuvor
war hierüber in einer offenen Vorstandssitzung mit Mitgliedern des Vereins
diskutiert worden. Mit der Erarbeitung und Vorstellung eines Konzepts war
Manuela Wyler aus Lyon vom Förderverein betraut worden. Als Beraterin für
die konzeptionelle und finanzielle Führung von kulturellen Einrichtungen
hat sie bereits ein ähnlich gelagertes Projekt in Frankreich betreut.
Für
Manuela Wyler ist es klar, dass das Blaue Haus kein Museum im herkömmlichen
Sinn werden soll, wo die Räume mit den diversen Erinnerungsstücken überhäuft
und Besucher durchgeschleust werden, um dann möglichst bald den Ort wieder
zu verlassen.

Foto: Friedel Scheer
BREISACH. Nicht nur familienkundliche Fragen wurden bei der vom Förderverein
Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus organisierten Tagung zum Thema "Gründerfamilien
der jüdischen Gemeinde von Breisach: Die Geismars in Baden und Elsass" behandelt
(siehe auch nebenstehendes Interview). Auch das zukünftige Konzept für das
Blaue Haus stand für die zahlreichen, internationalen Gäste als ein Programmpunkt
unter vielen auf der Tagesordnung.
Sie plädiert für ein Lernhaus, in dem professionelles Personal beschäftigt ist. Das Angebot soll sich vorwiegend an Kinder und Jugendliche und deren Lehrer wenden, die mit ihren Klassen für etwa drei Tage Breisach besuchen sollen, um hier und in der elsässischen und badischen Umgebung dem Leben der jüdischen Bevölkerung vor der Shoah auf die Spur zu kommen. Dabei ist es wichtig, dass das Blaue Haus eben kein Platz ist, an dem Juden ermordet wurden, "sondern hier haben Juden gelebt und es kann dokumentiert werden, welches Schicksal jedem einzelnen widerfahren ist", betonte Wyler. Für den Besucher ist es so leichter, sich in die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse in der Nazizeit hineinzufühlen und damit für das eigene Zusammenleben mit Minderheiten sensibler zu werden.
Im Vordergrund sollen die Fragen stehen: Wie ist es möglich, dass Menschen zu solchen Verbrechen fähig waren? Wie haben sich die Mitläufer verhalten? Welche Formen des Widerstands gab es? Die Beantwortung der Fragen, die auch in angeleiteten Workshops erfolgen soll, stellt den Bezug zur Gegenwart her und soll dem Hinterfragen des eigenen Umgangs mit kultureller Andersartigkeit in der Gesellschaft dienen.
Ansprechen möchte Manuela Wyler nicht nur Deutsche, sondern auch Franzosen und Schweizer. Daher ist sie auch zuversichtlich, dass sie dafür Gelder in den entsprechenden Ländern sowie bei der Europäischen Union locker machen kann. Dennoch räumt sie ein: "Das Geld für unsere Pläne aufzutreiben, wird der schwierigere Teil werden." Immerhin würden neben den Personalkosten auch Umbaukosten für die Verlegung des Haupteingangs sowie Kosten für die Einrichtung der Räume anfallen. Bis Ende September möchte sie das fertige Konzept vorlegen.
In der anschließenden Diskussion zeigten sich die meisten Teilnehmer beeindruckt von Wylers Vorstellungen, wenngleich auch leise Zweifel an der vollständigen Umsetzung der Pläne laut wurden. Dass man unbedingt die Rückmeldung der Besucher dokumentieren solle, war ein Vorschlag, der Zustimmung fand. Des Weiteren wurde angeregt, die wissenschaftliche Unterstützung der Universität Freiburg zu suchen. Und breiten Konsens fand der Wunsch, das Haus möge zu einem "Laboratorium für die Einstellungsänderung zu mehr Offenheit in der Gesellschaft" werden.
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