
Foto: Friedel Scheer
BREISACH. Fünf Tage dauerte die Konferenz, zu der Nachfahren der Familie
Geismar sowie zahlreiche an der Genealogie Interessierte aus sechs Ländern
nach Breisach gekommen sind. Sie beschäftigten sich mit Familienforschung
sowie der Geschichte der Juden in Breisach und machten unter fachkundiger
Leitung Exkursionen in die nähere Umgebung. Der promovierte Chemiker Arno
Cahn aus New York nahm zusammen mit seiner Frau Barbara und Tochter Janet
an der Tagung teil. Mit ihm unterhielt sich unsere Mitarbeiterin Friedel
Scheer.
BZ:
Beschäftigen Sie sich intensiv mit familienkundlichen Forschungen oder gab
es für Sie noch andere Gründe, an dieser Konferenz teilzunehmen?
Cahn:
Als Anfang der 30er-Jahre alle ihre vier arischen Großeltern gesucht haben,
habe ich Spaß daran gefunden, meine vier nicht-arischen Großeltern zu suchen.
Ich habe damals darüber hinaus meine Vorfahren bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt
und dabei so viele Dokumente gesammelt, wie ich nur konnte. Später habe ich
mich damit aber kaum mehr beschäftigt. An dieser Konferenz nehme ich teil,
weil sich mir dabei auch die Gelegenheit geboten hat, einem kleinen Familientreffen
beizuwohnen. Immerhin habe ich hier Familienmitglieder getroffen, die ich
noch nie gesehen habe.
BZ: Haben Sie direkte Vorfahren aus der Breisacher Familie Geismar?
Cahn: Ja, meine Großmutter Berta Geismar stammte aus Breisach. Sie heiratete
meinen Großvater Hermann Kahn und zog nach Köln, wo ich übrigens auch geboren
bin. Ich habe sie nicht gekannt, weil sie früh gestorben ist. Außerdem hatte
ich aber noch weitere verwandtschaftliche Beziehungen zu Breisach. Ich war
sogar schon einmal als Kind hier und habe damals, zusammen mit meinen Eltern
im Hotel Bären gewohnt. Die Besitzerin war Emilie Schwab, eine Tante meines
Vaters.
BZ: Haben Sie schon vorher von der Arbeit des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus gehört und was halten Sie davon?
Cahn: Ich habe einen Neffen in Israel, der mich vor etwa zwei Jahren auf
die Arbeit des Vereins und dessen Internetseite aufmerksam gemacht hat. Ich
finde es fantastisch, was hier geleistet wird, immerhin könnten sich die
Leute, die sich darum kümmern, auch anders amüsieren. Es ist sicher keine
Selbstverständlichkeit. Dazu kommt, dass diese Arbeit auch oft auf Widerstand
in der Bevölkerung stößt. Es ist immer leichter, "nein" zu sagen und alles
auf sich beruhen zu lassen.
BZ:
Was halten Sie von der Diskussion um die Entfernung des roten Kreises in
der Straße zum Münsterberg, in dem das Hakenkreuz noch schwach sichtbar ist?
Cahn: Ich finde, dass sollte entfernt werden, denn die Spuren der Naziherrschaft
sollten beseitigt werden. Die diskutierte Umbenennung der Rheintorstraße
in Judengasse finde ich dagegen nicht so wichtig, wenn mit einem Zusatzschild
auf den früheren Namen hingewiesen wird. Da ist es schon wichtiger, dass
es das "Blaue Haus" gibt und dort das Konzept umgesetzt wird, das erarbeitet
worden ist.
BZ: Welchen Eindruck von der Tagung nehmen Sie mit nach Hause?
Cahn: Es waren sehr berührende Tage. Ich habe nette Menschen getroffen und
gerade von Personen, wie Günter Boll, der über ein ganz fantastisches Wissen
verfügt, sehr viel gelernt. Natürlich habe ich auch das Familientreffen genossen.
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