Badische Zeitung vom Dienstag, 6. Juli 2004

"Es waren berührende Tage"
BZ-INTERVIEW mit dem Tagungsteilnehmer Arno Cahn



Arno Cahn
Foto: Friedel Scheer
BREISACH. Fünf Tage dauerte die Konferenz, zu der Nachfahren der Familie Geismar sowie zahlreiche an der Genealogie Interessierte aus sechs Ländern nach Breisach gekommen sind. Sie beschäftigten sich mit Familienforschung sowie der Geschichte der Juden in Breisach und machten unter fachkundiger Leitung Exkursionen in die nähere Umgebung. Der promovierte Chemiker Arno Cahn aus New York nahm zusammen mit seiner Frau Barbara und Tochter Janet an der Tagung teil. Mit ihm unterhielt sich unsere Mitarbeiterin Friedel Scheer.

BZ: Beschäftigen Sie sich intensiv mit familienkundlichen Forschungen oder gab es für Sie noch andere Gründe, an dieser Konferenz teilzunehmen?
Cahn: Als Anfang der 30er-Jahre alle ihre vier arischen Großeltern gesucht haben, habe ich Spaß daran gefunden, meine vier nicht-arischen Großeltern zu suchen. Ich habe damals darüber hinaus meine Vorfahren bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt und dabei so viele Dokumente gesammelt, wie ich nur konnte. Später habe ich mich damit aber kaum mehr beschäftigt. An dieser Konferenz nehme ich teil, weil sich mir dabei auch die Gelegenheit geboten hat, einem kleinen Familientreffen beizuwohnen. Immerhin habe ich hier Familienmitglieder getroffen, die ich noch nie gesehen habe.

BZ: Haben Sie direkte Vorfahren aus der Breisacher Familie Geismar?
Cahn: Ja, meine Großmutter Berta Geismar stammte aus Breisach. Sie heiratete meinen Großvater Hermann Kahn und zog nach Köln, wo ich übrigens auch geboren bin. Ich habe sie nicht gekannt, weil sie früh gestorben ist. Außerdem hatte ich aber noch weitere verwandtschaftliche Beziehungen zu Breisach. Ich war sogar schon einmal als Kind hier und habe damals, zusammen mit meinen Eltern im Hotel Bären gewohnt. Die Besitzerin war Emilie Schwab, eine Tante meines Vaters.

BZ: Haben Sie schon vorher von der Arbeit des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus gehört und was halten Sie davon?
Cahn: Ich habe einen Neffen in Israel, der mich vor etwa zwei Jahren auf die Arbeit des Vereins und dessen Internetseite aufmerksam gemacht hat. Ich finde es fantastisch, was hier geleistet wird, immerhin könnten sich die Leute, die sich darum kümmern, auch anders amüsieren. Es ist sicher keine Selbstverständlichkeit. Dazu kommt, dass diese Arbeit auch oft auf Widerstand in der Bevölkerung stößt. Es ist immer leichter, "nein" zu sagen und alles auf sich beruhen zu lassen.

BZ: Was halten Sie von der Diskussion um die Entfernung des roten Kreises in der Straße zum Münsterberg, in dem das Hakenkreuz noch schwach sichtbar ist?
Cahn: Ich finde, dass sollte entfernt werden, denn die Spuren der Naziherrschaft sollten beseitigt werden. Die diskutierte Umbenennung der Rheintorstraße in Judengasse finde ich dagegen nicht so wichtig, wenn mit einem Zusatzschild auf den früheren Namen hingewiesen wird. Da ist es schon wichtiger, dass es das "Blaue Haus" gibt und dort das Konzept umgesetzt wird, das erarbeitet worden ist.

BZ: Welchen Eindruck von der Tagung nehmen Sie mit nach Hause?
Cahn: Es waren sehr berührende Tage. Ich habe nette Menschen getroffen und gerade von Personen, wie Günter Boll, der über ein ganz fantastisches Wissen verfügt, sehr viel gelernt. Natürlich habe ich auch das Familientreffen genossen.

 


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