Von unserem Mitarbeiter Kai Kricheldorff
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BREISACH. BREISACH. Bis auf das erste Viertel des 18. Jahrhunderts lässt sich die Geschichte der jüdischen Familie Zivi im badischen Müllheim zurückverfolgen. Zum zweiten Mal nach 2005 trafen sich jetzt die in aller Welt verstreut lebenden Nachkommen des 1727 erstmals urkundlich erwähnten Müllheimer Juden Paul Zivi in Breisach, um sich auf die Spurensuche nach ihren Wurzeln in Baden und im Elsass zu machen.
Aus der Schweiz und Frankreich, aus Israel und den USA waren rund 40 Angehörige der Familie Zivi in die Münsterstadt gekommen. Die Schweizerin Ariane Mil hatte das Treffen mit Unterstützung des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach organisiert. Schon vor einigen Jahren hatte sie mit Christiane Walesch-Schneller vom Förderverein Kontakt aufgenommen. Beim ersten Familientreffen der Zivis, das vor drei Jahren in Müllheim stattfand, hatte man auch einen Abstecher nach Breisach gemacht und dabei vereinbart, das nächste Treffen in der Münsterstadt abzuhalten. Sam Zivi aus Santa Monica im US-Bundesstaat Kalifornien kann sich noch an seinen 1867 in Haigerloch bei Stuttgart geborenen Großvater erinnern. Als junger Mann war dieser nach Amerika ausgewandert. Vor über 35 Jahren begann Sam Zivi Nachforschungen über seine Vorfahren anzustellen und nahm Kontakte zu anderen Zivis auf, deren familiäre Wurzeln ebenfalls im deutschen Südwesten liegen. "Daraus ist mit der Zeit ein reges Netzwerk entstanden" , freut sich der Amerikaner, der schon häufig auf den Spuren der Zivis in Europa gereist ist, jetzt aber, gemeinsam mit Ehefrau Irene, erstmals nach Breisach kam. Gérard Zivy aus dem schweizerischen Genf betreut die Internet-Seite des Familienstammbaums der Zivis, von denen manche sich auch Zivy schreiben (Verweis in neuem Fenster öffnenhttp://www.zivy.net/zivi Auch er berichtet davon, wie teils durch beharrliches Nachforschen, oft aber auch nur durch reinen Zufall, mosaikartig die Familienbande der Zivis immer mehr Gestalt annahmen haben und Kontakte über Kontinente hinweg entstanden sind. Die für das dreitägige Familientreffen angereisten Nachkommen von Paul Zivi wohnten im Hotel Kapuzinergarten auf dem Münsterberg. Von hier aus unternahmen sie eine familiäre Spurensuche nach Müllheim und ins elsässische Biesheim. Dort und in Breisach führte sie Günter Boll aus Bad Krozingen durch die jüdische Geschichte beiderseits des Oberrheins. Boll ist Mitglied des Fördervereins Blaues Haus und ein Kenner der Regionalgeschichte der Juden. Professor Freddy Raphäel aus Straßburg machte in einem Vortrag die Teilnehmer des Famlilientreffens mit dem Lebensweg zweier bedeutender Juden aus dem Elsass bekannt: dem Rabbiner Jossel de Rosheim (1478 bis 1554) und dem Historiker Marc Leopold Benjamin Bloch (1886 bis 1944). Am Ende des Programms, das den Angehörigen der Familie Zivi ausreichend Zeit ließ, bestehende Familienbande zu vertiefen und neue zu knüpfen, stand die Erkundung des "jüdischen Breisach" . Christiane Walesch-Schneller und Günter Boll führten die Gäste durch die Rheintorstraße (ehemalige Judengasse). Auf dem Synagogenplatz sprach Ricco Mil-Guttmann am jüdischen Gedenktag für die Opfer des Holocaust "Jom Ha shoa" , der dieses Jahr auf den 2. Mai fiel, ein Gebet. Seine Frau Ariana Mil, eine Nachfahrin der Zivis aus Müllheim, erinnerte an die Gründung des Staates Israel, die sich am 8. Mai zum 60. Mal jährt. Beim Rundgang über den alten jüdischen Friedhof erlebte sie eine Überraschung. Auf einem verwitterten Grabstein konnten kürzlich die kaum noch lesbaren hebräischen Schriftzeichen entziffert werden. Dabei stellte sich heraus, dass hier die 1833 in Breisach gestorbene Kendel Zivi geborene Geismar begraben liegt. Die Zürcherin Ariane Mil und drei weitere Teilnehmer des Familientreffens können in direkter Linie ihre Wurzeln auf diese Frau zurückführen. Die Zusammenkunft endete mit einem Konzert der Cellistin Ariana Burstein und des Gitarristen Roberto Legnani im Blauen Haus. |
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