Badische Zeitung vom Freitag, 5. März 2004

Kassenbericht lässt auf sich warten
"Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus" muss in vier Wochen erneut tagen / Diskussion über zukünftige Arbeit



Von unserer Mitarbeiterin Friedel Scheer

BREISACH. Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des "Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus Breisach" konnte die Tagesordnung nicht wie vorgesehen eingehalten werden, weil die Fertigstellung des Kassenberichts nicht rechtzeitig erfolgte. Deshalb konnte der Vorstand nicht entlastet werden. Dazu wurde ein neuer Termin in vier Wochen anberaumt, an dem dann auch die Wahl des Vorstands stattfinden soll.

Nach der Würdigung der verstorbenen Mitglieder Fred Kort, René Dreyfus, Regina Wyler und Eberhard Löwenberg setzte sich die Mitgliederversammlung mit drei Anträgen von Abraham Rajber auf Satzungsänderung auseinander. Darin beantragte Rajber, dass bei der Jahresmitgliederversammlung jedem Mitglied ein schriftlicher Kassenbericht ausgehändigt werden solle. Des Weiteren forderte er den Verein auf, an jüdischen Feiertagen sowie an Schabatt, also von Freitag, 16 Uhr, bis Samstag, 20 Uhr, generell keine Veranstaltungen im "Blauen Haus" stattfinden zu lassen. Schließlich regte er an, Mitglieder, Vorstände und Beiräte zu verpflichten, finanzielle Einnahmen, die mit dem Verein in Verbindung stehen, komplett an den Verein zu überweisen.

Zunächst sprach sich die Mitgliederversammlung dagegen aus, diese Punkte satzungsmäßig zu regeln. Statt dessen sollen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung für das weitere Vorgehen bindend sein. In Zukunft soll demnach den Mitgliedern ein schriftlicher Kassenbericht ausgehändigt werden. In der Frage nach Veranstaltungen an jüdischen Feiertagen und am Schabatt sprach sich die Mitgliederversammlung dafür aus, die Interessen orthodox religiöser Juden zu respektieren, sich Veranstaltungen an diesen Terminen aber nicht generell zu verbieten.

Eine rege Diskussion entfachte sich am letzten von Rajber vorgebrachten Punkt. Nicht beanstandet wurde das Abrechnen von Spesen. In der Frage, wie mit einer Honorarzahlung umgegangen werden soll, gab es jedoch zunächst verschiedene Ansichten.

Dies habe in der Vergangenheit nur in drei Fällen stattgefunden, betonte die Vorsitzende Christiane Walesch-Schneller, davon zweimal an Nicht-Mitglieder und in einem Fall an ein Mitglied, wobei das Honorar aber gegenfinanziert worden sei.

Schließlich bildete sich bei den Mitgliedern der Konsens heraus, dem Vorstand in dieser Frage zu vertrauen und es ihm zu überlassen, über die Frage einer Honorarzahlung zu entscheiden. Damit sich die Mitglieder ein Bild machen können, sollen zukünftig bezahlte Honorare mit Namen und Höhe im Kassenbericht aufgeführt werden.

Kritik wurde im Zusammenhang mit der Benennung des jüdischen Gemeindehauses geübt. Werner Nickolai bat darum, den Mitgliedern in solchen Fällen ein Mitspracherecht einzuräumen.

Die Vorsitzende gab einen Ausblick auf einige Veranstaltungen und Ereignisse im laufenden Jahr, unter anderem ein erneutes Sommerlager der Aktion Sühnezeichen.

Jürgen Lange von Kulessa berichtete von Bemühungen, einen Schüleraustausch Breisach-New York mit den Nachkommen ehemaliger Breisacher Juden zu begründen, eine, wie er betonte, in die Zukunft weisende Aktivität.

Zu einem Brief von Carl Steeg an Bürgermeister Alfred Vonarb sowie an Dekan Peter Klug und Pfarrer Peter Hanselmann, in dem Steeg seinem Befremden über die sichtbaren Überreste des Hakenkreuzes im roten Kreis vor dem Rheintor Ausdruck verleiht, und der bis heute offensichtlich unbeantwortet blieb, gab es viele Wortmeldungen. Eine ausführliche Auseinandersetzung damit soll aber einer eigenen Veranstaltung vorbehalten bleiben.

Nicht einig waren sich die Mitglieder darüber, wie es inhaltlich-konzeptionell im "Blauen Haus" weitergehen soll. Während ein Teil der Mitglieder vorrangig die Schulden abbauen möchte, indem weiterhin vor Ort um Spenden geworben werden soll, ist ein anderer Teil davon überzeugt, dass ein Konzept für das Haus so schnell wie möglich erarbeitet und umgesetzt werden soll. Dabei wird auch an professionelle Unterstützung gedacht, für die Gelder beantragt werden müssten.

Erfreut wurde festgehalten, dass viel erreicht wurde, was die Bekanntheit des Hauses über Breisach hinaus betrifft. Gleichzeitig wurde aber auch gesagt, dass eine zufrieden stellende Kontinuität in dieser Arbeit nur erreicht werden kann, wenn das ehrenamtliche Engagement durch Professionalität unterstützt und entlastet wird.

 


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