Badische Zeitung vom Donnerstag, 5. Januar 2006

Mitbegründer des deutschen Impressionismus
Im Rahmen einer neuen Vortragsreihe referierte Axel Seibert im Blauen Haus in Breisach über den jüdischen Maler Max Liebermann



 

Max Liebermann
FOTO: DPA
BREISACH (fsn). Jeden zweiten Montag im Monat wird zukünftig im Blauen Haus eine Veranstaltung stattfinden, die sich einem kulturellen Thema widmet. Damit will man an die Tradition der “ Werkstatt-Gespräche” anknüpfen, die zu den anfänglichen Projekten des Fördervereins Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus gehörten.

Den Anfang hat Axel Seibert gemacht mit einem Diavortrag über Leben und Werk Max Liebermanns, dem bedeutenden jüdischen Maler. Das Angebot fand regen Zuspruch, viele Besucher hatten sich eingefunden, um sich zusammen mit Seibert dem berühmten Impressionisten zu nähern. Der Referent verstand es hervorragend, in der Kürze der Zeit einen umfangreichen und aussagekräftigen Überblick über das künstlerische Schaffen des Malers zu geben und auch, bedingt durch Veranstaltungsort und -reihe, dessen jüdischen Hintergrund zu beleuchten.

Dabei stellte sich heraus, dass Liebermann keinen Hehl aus seiner religiösen Zugehörigkeit machte, sie aber auch nicht zuvorderst thematisierte. “Ich bin als Jude geboren und werde als Jude sterben” , soll er den Leuten entgegnet haben, die ihn zur Konvertierung drängen wollten. Spezifisch jüdische Themen seien aber trotzdem selten in Liebermanns Werk, betonte Seibert. Max Liebermann, der im Jahre 1847 geboren wurde, entstammte einer bedeutenden und wohlhabenden Tuchfabrikantenfamilie, die in Berlin ausnehmend prominent, direkt am Brandenburger Tor, gewohnt hat. Die Eltern waren von den künstlerischen Ambitionen des Sohnes zunächst nicht begeistert und dieser musste sich erst einmal von seinem Elternhaus emanzipieren. Vor diesem Hintergrund sei es zu sehen, dass sich Liebermann in seinen künstlerischen Motiven zu Beginn seines Schaffens dem einfachen Volk zugewandt hat, meinte Seibert. Als “ Arme-Leute-Maler” und “ Apostel der Hässlichkeit” sei er bezeichnet worden, ein Ruf, den ihm Bilder eingebracht hatten, auf denen Gänserupferinnen, Marktfrauen oder Bauern bei der Kartoffelernte zu sehen sind.

Die Anziehung der neuen französischen Kunst auf Liebermann in den Jahren nach 1870 und seine Bewunderung für den französischen Maler Millet kamen ebenso zur Sprache wie seine starke Orientierung nach Holland, wo ihn die Malerei von Frans Hals so faszinierte, dass er Dutzende von Werken für sich kopierte. Berühmte Bilder, wie die, auf denen Waisenmädchen beim Nähen im Klassenzimmer oder beim Lustwandeln im Hof zu sehen sind, entstanden bei seinen Studienaufenthalten in Holland und wurden von Seibert vorgestellt, wie auch Szenen aus der Judengasse in Amsterdam und Bilder aus der Biergarten-Idylle in München.

Doch nicht nur das künstlerische Werk hatte Seibert bei seinem Vortrag im Blick. Gestreift wurde auch Liebermanns bedeutende Rolle als Mitbegründer des deutschen Impressionismus, die ihn gegen Ende des 19. Jahrhunderts auszeichnete. Damit einher ging die Gründung der Berliner Secession, deren erster Präsident er war. Von der gesellschaftlichen Bedeutung, die Liebermann 1927 erreicht hatte, zeugt ebenfalls ein Bild, das ihn bei einer Ausstellungseröffnung in der Akademie der Künste zeigt, wo er inmitten einer festlichen Gesellschaft zu sehen ist, zu der auch der Reichskanzler und der preußische Kulturminister gehörten. Die wenigsten von diesen Menschen gaben ihm bei seinem Tod das letzte Geleit, ließ Seibert die Zuhörerinnen und Zuhörer wissen. Einer der wenigen Nicht-Juden, die bei seiner Beerdigung im Jahr 1935 dabei waren, sei Professor Sauerbruch, der Mediziner, gewesen. So war das Ende seines Lebens überschattet von der tragischen Entwicklung, die das Leben der Juden in Deutschland betraf. Seine Kunst aber hat diese Zeit überlebt. Liebermanns Werke gehören heute zu den am häufigsten ausgestellten.

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