Denn als der Breisacher Förderverein das Haus vor sechs Jahren erwarb, geschah dies zunächst aus der Motivation heraus, den Ort zu bewahren, an dem die jüdische Gemeinde nach der Zerstörung der Synagoge am 10. November 1939 ihren letzten Gebetssaal eingerichtet hatte. Inzwischen ergaben sich jedoch noch weitere Aspekte, die den Erhalt des Hauses in Bezug auf die Stadtgeschichte zusätzlich als Glücksfall erscheinen lassen.
Vor allem durch die Arbeit der freiwilligen Helfer der Aktion Sühnezeichen/ Friedensdienste in den letzten Jahren wurde die Hausgeschichte weiter erhellt. Die jungen Leute aus dem In- und Ausland trugen im Keller eine kniehohe Schicht von Erde ab, was Bertram Jenisch, dem Sachverständigen
für Denkmal pflege im Regierungspräsidium Freiburg, neue Erkenntnisse über die Baugeschichte des Hauses ermöglichte. Demzufolge ist das Haus aus zwei Häusern entstanden zu einer Zeit, als der innere Stadtgraben Breisachs nutzlos geworden war, weil vom Festungsbauer Vauban ein äußerer Verteidigungsring errichtet worden war. Das kleinere der beiden Häuser, deren bauliche Chronologie im Keller an Hand der Wände gut zu verfolgen ist, wurde damals, wohl um das Jahr 1620, an die bestehende Stadtmauer angebaut. Somit ist diese Wand ein Bauteil, der weit ins Mittelalter zurückreicht.
Etwas später wurde das zweite Haus angebaut und bald darauf mit dem kleineren Haus vereinigt. Die Decken wurden angeglichen, was ebenfalls noch gut zu erkennen ist, weil im kleineren Keller noch die so genannten Auflagelöcher für die ursprünglichen Deckenbalken auszu machen sind.
Auch der erste Stock des Hauses, der Bezüge zur jüngeren Geschichte des Hauses zulässt, als der Kantor Eisemann mit seiner Familie noch darin wohnte und man sich dort zum Gottesdienst einfand, wurde den Besuchern gezeigt und erläutert. Bei der der Führung folgenden Gesprächsrunde ging Uwe Fahrer, Stadtarchivar und Leiter des Geschichtsvereins, auf die besondere Lage des Hauses an der Brücke zum früheren Kupfertor sowie auf seine Nutzungsgeschichte ein. Beides sei ein „ Symbol des Brückenschlagens“ , was ja auch ein Ziel des Fördervereins, der Träger des Blauen Hauses ist, sei.
Denn in diesem Zusammenhang sei es erwähnenswert, dass die ersten Besitzer des Hauses französische Namen trugen und das Haus ursprünglich eine christ liche Gaststätte mit dem Namen „ Wirtshaus St. Peter“ war. 1829 wurde es dann an die Breisacher israelitische Gemeinde verkauft „ zum Behufe eines Schulhauses“ .
Der Gebäudezweck änderte sich immer wieder bis es 1941 „ arisiert“ wurde und an die Gugel-Werke-Freiburg kam, die auf dem Dachboden des Hauses Flugzeugabdeckungen herstellten. Besonders aus dieser Zeit wünscht sich Uwe Fahrer noch ergänzende Hinweise aus der älteren Breisacher Bevölkerung, die über die Nutzung der unteren Wohnräume Aufschluss geben.
Die Mitglieder des Breisacher Geschichtsvereins zeigten sich von der mit Informationen prall gefüllten Führung beeindruckt und Uwe Fahrer bedankte sich beim Förderverein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus, indem er der Vorsitzenden Christiane Walesch-Schneller ein Bild aus der Vorkriegszeit überreichte, auf dem das heutige Blaue Haus aus der Vogelperspektive in der Nachbarschaft von inzwischen längst verschwundenen Häusern zu sehen ist.
Von unserer Mitarbeiterin
Friedel Scheer
BREISACH. Interessierte Mitglieder des Breisacher Geschichtsvereins konnten sich dieser Tage bei einem Besuch im Blauen Haus darüber informieren, in welch vielfältigem Maße das ehemalige jüdische Gemeindehaus Einzelheiten der Breisacher Stadtgeschichte repräsentiert.

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